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10.02.2012 | 11.22 Uhr

11. Juni bis 11. Juli FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010 TM

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Spanien nach 1:0 über die Niederlande neuer Weltmeister

Iniesta schießt Spanien auf den Fußball-Thron

Von Jens Mickler

Spanien ist am Ziel aller Fußball-Träume. Nach einem 1:0-Erfolg nach Verlängerung gegen die Niederlande holen die Iberer erstmals in der WM-Geschichte den Titel ins Königreich. Das entscheidende Tor gelang Andrés Iniesta in der 116. Minute.

Iniesta jubelt nach seinem Tor; Rechte: dpa Iniestas Gedenkjubel für den toten Freund: "Dani Jarque siempre con nosotros." (Dani Jarque ist immer bei uns)

Nach dem Gewinn der Europameisterschaft untermauerten die Spanier mit dem WM-Titel ihre Stellung als beste Mannschaft der Welt. Sie gehen damit als erster europäischer Titelträger außerhalb Europas in die Turniergeschichte ein. Den Niederländern bleibt bei ihrem dritten Finaleinzug nach 1974 und 1978 dagegen wieder nur die Vizemeisterschaft. "Es ist sehr enttäuschend. Wir waren so nah dran. Ich hätte gerne gewonnen, auch mit nicht so schönem Fußball. Spanien ist die beste Fußball-Nation, die beste Mannschaft hat gewonnen", sagte der niederländische Trainer Bert van Marwijk. Der siegreiche Coach Vicente del Bosque meinte: "Es war ein sehr, sehr schweres Spiel und hart umkämpft. Aber wir haben phantastische Spieler. Wir haben 50 Tage sehr hart gearbeitet, es gab nicht Negatives. Ich bin sehr stolz."

Das keineswegs hochklassige Finale war vor 84.490 Zuschauern im ausverkauften Soccer City Stadium von Johannesburg von teilweise überzogener Härte geprägt, und es lebte bis zuletzt von der Spannung. Nachdem beide Seiten etliche Großchancen ausließen, sorgte der gegen Ende des Endspiels überragende Iniesta für die Entscheidung. "Es ist normalerweise nicht unser Stil, mit brutalen Fouls zu spielen, aber es war ein Finale und es gab Fouls auf beiden Seiten. Man spielt, um zu gewinnen, mit viel Emotione", so Bert van Marwijk.

Harter Kampf statt spielerische Klasse

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Die Anfangsviertelstunde gehörte klar den Spaniern, die mit ihrem variablen Spiel und den schnellen Vorstößen da weitermachten, wo sie gegen Deutschland aufhörten. Die Niederländer änderten ebenfalls nichts an ihrer zurückhaltenden Spielweise aus den vorherigen Partien. Sie waren vor allem darauf bedacht, das eigene Tor abzusichern.

Mit zunehmender Spielzeit wurde die Partie härter und die Torszenen weniger. Das Spiel war geprägt von vielen technischen Fehlern und einer ruppigen Gangart auf beiden Seiten. In den Blickpunkt rückte Schiedsrichter Howard Webb, der in der ersten halben Stunde gleich fünf Gelbe Karten zückte - drei für die Niederländer, zwei für Spanien. Der frühere Hamburger Nigel de Jong konnte in der 28. Minute von Glück reden, dass er überhaupt weitermachen durfte. Sein Tritt in die Brust von Xabi Alonso hätte mit "Rot" geahndet werden müssen. Die vielen Fouls und das harte Einsteigen brachten die Spanier aus dem Rhythmus. So ließ die "Elftal" - anders als im Halbfinale die deutsche Mannschaft - den Europameister nicht ins Spiel kommen, tat dabei allerdings auch selbst wenig für die Offensive. So ging die erste Halbzeit dürftig und ohne Glanzpunkte zu Ende.

Halbzeit der verpassten Chancen

Das änderte sich nach dem Seitenwechsel. So hätte Arjen Robben seine Farben in der 62. Minute in Führung bringen müssen. Nach einem Steilpass aus dem Mittelfeld von Wesley Sneijder und einem Stellungsfehler von Piqué stand Robben alleine vor Iker Casillas, doch der spanische Keeper gewann das Duell eins gegen eins und wehrte mit dem rechten Fuß bravourös ab.

Die Partie gewann nun an Dramatik. Es sollte eine Halbzeit der verpassten Chancen werden. Die nächste große Tormöglichkeit verpasste Spanien. Eine scharfe Hereingabe des eingewechselten Navas, der für den diesmal wirkungslosen Pedro kam, ließ Heitinga zunächst passieren, um dann den Schuss von David Villa in höchster Not zur Ecke zu klären (69.). Wenige Minuten später brachte auch Sergio Ramos den Ball nicht im Tor unter. Nach einer Ecke köpfte der Verteidiger den Ball völlig freistehend über das Tor. Die Niederländer gerieten in der Schlussphase unter Druck, dennoch hätte wieder Robben für die Erlösung sorgen können. Wieder blieb er jedoch im Duell mit Iker Casillas nur zweiter Sieger, der ihm den Ball vom Fuß nahm (84.). Zwei große Möglichkeiten auf beiden Seiten - keine genutzt: So sollte die Verlängerung die Entscheidung bringen.

Iniesta schießt Spanien ins Glück

Das 1:0; Rechte: dpa Lupe groß

Die Entscheidung: In der 116. Minute erzielt Iniesta das Tor des Tages.

Doch auch da ging es weiter wie zuvor: Der ebenfalls eingewechselte Cesc Fabregas spazierte in der 95. Minute allein auf Maarten Stekelenburg zu, suchte dann den Abschluss anstatt den einschussbereiten David Villa zu bedienen. Der holländische Torwart wehrte ab. Spätestens jetzt war das große spanische Problem wieder offensichtlich: die Torausbeute. Den Spaniern, mit drei 1:0-Siegen ins Finale eingezogen, fehlt die Kaltschnäuzigkeit im Abschluss. Deshalb zog Trainer Vicente del Bosque seinen letzten Trumpf: Fernando Torres, den Siegtorschützen des EM-Finals vor zwei Jahren gegen Deutschland. Er kam in der zweiten Halbzeit der Verlängerung für David Villa. Die Spanier setzten noch einmal alles auf eine Karte, zumal sie die letzten Minuten der "Extra-time" in Überzahl bestritten. Heitinga musste nach Foul an Andrés Iniesta in der 109. Minute mit der gelb-roten Karten vom Feld. Die Überzahl nutzte Iniesta sieben Minuten. Mit einem Rechtsschuss ins lange Eck nach Zuspiel von Cesc Fabregas machte sich der Mann vom FC Barcelona für die Spanier unsterblich.

In den Moment des Triumphs mischte sich beim Torschützen auch Trauer: "Dani Jarque siempre con nosotros - Dani Jarque ist immer bei uns", stand auf seinem Unterhemd, das er beim Torjubel zeigte. Jarque, ein Mannschaftkollege aus U21-Zeiten, starb am 8. August vergangenen Jahres mit nur 26 Jahren an Herzversagen.

Stand: 12.07.2010, 00:23

 
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